15. Extrem-MTB-Rennen
1000m unter der Erde
Bergwerk Sondershausen (Thüringen)

Erlebnisbericht

(Bilder zum Vergrößern anklicken)
Am Anfang war es eine dumme Idee, wie so oft in der letzten Zeit.
Als ich mich im Freundeskreis um hörte wurde ich nur belächelte und keiner nahm mein Vorhaben in 1000 Tiefe mit dem Mountainbike zu starten richtig ernst.
Bei meinem Bruder Klaus war ich natürlich gleich an der richtigen Adresse, bevor ich mich umsehen konnte hatte er uns inkl. 3 Doppelzimmer beim 15. Extrem-MTB-Rennen in Sondershausen (Thüringen) angemeldet.
Für mich sollte es das bisher beste Bikeerlebnis werden. Trotz eines total bescheidenen Jahres, von Verletzungen und Stürzen geprägt, sollte mir dennoch ein schöner Jahresabschluss gelingen. Von Rückenschmerzen geplagt versuchte ich jeden Abend zu trainieren um zu diesem Event einigermaßen fit anzutreten.
Die Spannung am morgen des Rennens war kaum zu ertragen. Klaus versuchte in letzter Sekunde seine Helmkamera zu justieren und verpasste sogar das Frühstück, während ich versuchte mit Schwarzbrot, Honig und Käse nochmals Energie zu tanken. In letzter Minute hatten wir die Bikes auf den Autos befestigt und fuhren erwartungsvoll im Konvoi Richtung Bergwerk. Die Anspannung löste sich erst, als unsere Begleiter: Jessica, Agnes, Tom und Thorsten ihre Helme verpasst bekamen und wir mit anderen Biker ins Gespräch kamen.
Mit der Fahrt in die Tiefe begann das Abenteuer. Nun wollte ich nicht mehr, wie am Abend zuvor mit jemandem tauschen. Mit 5 Bikern und 5 Bikes wurden wir in den engen Aufzug gepfercht. In weniger als 4 Minuten waren wir in einer Tiefe von 800 Metern. Es gab keinerlei Probleme mit den Ohren oder sonstige körperlichen Leiden. Vor uns war ein großer, heller Gang, die Luft war salzig und warm. Wir wartet bis alle Biker, Helfer und Zuschauer angekommen waren. Einige Starter verschwanden noch mal in dunklen Seitengängen um „Ballast“ los zu werden. Die Helfer und Zuschauer wurden auf offene LKWs mit Sitzbänken verfrachtet und dann ging es los in Richtung Start. Die Biker folgten den davon rasenden LKWs so gut es ging. Auf den ersten Kilometern konnte man bereits erkennen, dass die Bedingungen nicht die einfachsten waren. Im Start/Zielbereich angekommen, war mein Trikot bereits nass geschwitzt. Mir schien als hätte mein Bruder ein leichtes Grinsen auf dem Gesicht, währen ich mir wieder die Frage stelle, was ich hier eigentlich mache?
Ich las von einer steilen Abfahrt direkt am Start, doch hier im Startbereich war davon nicht zu sehen? Nur Geraden in allen Richtungen und eine Steigung. Plötzlich öffnete sich ein großes Holztor und man konnte in einen tiefen, schwarzen Tunnel blicken. Yeahhh, genau nach meinem Geschmack. Nichts für Bübchen, hier sind Buben gefragt!!!
Für die Einführungsrunde wurden die Laster mit Bikern und Zuschauern beladen. Trotz allrad und Sperre hatten die Fahrzeuge ihre Schwierigkeiten die heftigen Steigungen und glatten Stellen zu bewältigen. Der Fahrzeuglenker ließ es richtig krachen, während TOM die Einführungsrunde mit der Kamera aufzeichnete.
Schnell ging es zum Vorstart, früher als geplant wurde der erste Biker auf die 4 Runden geschickt. Ich verabschiedete mich von meiner Liebsten und machte mich auf die Suche nach der 31, dem Mann der 10 Sek. vor mir auf die Strecke ging.
Ich sprach noch kurz mit Klaus, wir verabredeten, dass wir nichts übertreiben da es sich nicht lohnt sich die Knochen zu brechen und dann hörte ich auch schon 10.....5,4,3,2,1 LOS!!
Schon nach wenigen Umdrehungen der Kurbel hatte ich ein Höllentempo erreicht. Dieses Gefühl unverletzlich zu sein, (wahrscheinlich hervorgerufen durch Adrenalin) kam in mir hoch. Also Finger weg von der Bremse und die Kiste richtig fliegen lassen. Schon nach weniger 100 Metern lief ich auf einen vor mir gestarteten auf, was mich natürlich zusätzlich motivierte. Die ersten Kurven in der Abfahrt bremste ich sehr spät an, was mein Fully in herrlich lange Drifts zwang. Man machte dass Spaß!!!! Schade dass in dem dunklen Loch keine Zuschauer standen. ;-(
Der erste Anstieg hatte es dann gehörig in sich. Einige Biker waren schon am schieben und Fluchen. Ich versuchte auf dem Rad zu bleiben, wofür hat ein MTB sonst so viele Gänge?
Leid taten mir nur die beiden Singlespeeder die ohne Schaltung unterwegs waren.
Ich war überrascht, dass mein Bruder mich noch nicht eingeholt hatte, denn seine Leistungs- und Leidensfähigkeit ist doch weit über meiner einzuordnen. Da war es auch schon geschehen, in einer engen Kurve rutsche mir das Vorderrad weg und ich stieg seitlich aufs rechte Knie ab. Das Rücklicht sowie Trinkflasche flogen irgendwo im Schacht herum. Ich sammelte meine Utensilien zusammen und machte mich mit leicht schmerzendem Knie wieder auf in den Kampf. Die Abfahrt zum Start/Zielbereich fuhr ich in der ersten Runde recht langsam, da mein Sturz noch nicht lange zurücklag und ich in einer Hand das abgerissene Rücklicht transportierte.
Dann ging es wieder in die Höllenschlucht, die Schmerzen hatte Mr. Adrenalin bereits wieder mit sich genommen und ich lies es wieder richtig krachen. Am Berg musste ich wieder nicht absteigen und endlich war auch Klaus da. Der „Verrückte“ versuchte mich in voller fahrt zu interviewen um für unser Homevideo eine weitere ungewöhnliche Szene zu filmen.
Ich sagte nur:“ Ein Sturz, Knie offen, hau rein!!!“

Ich fühlte mich super und begann richtig zu puschen. Eine Kurve nach meinem ersten Sturz erwischte es mich wieder. Diesmal war ich allerdings wesentlich schneller. Mir zog es das Bike förmlich unter dem Arsch weg! Ich bremste wieder mit dem rechten Knie, das bereits voller Blut war und so genug Salz aufsammeln konnte. Es war als hätte mit jemand Benzin über das Knie gegossen und sofort angebrannt. Puuuhhhhh........
Die 3. Runde machte ich dann tatsächlich etwas langsamer. In Runde 4 standen alle Zeichen noch mal auf Angriff. Die Abfahrt wieder volles Risiko, gute 60 km/h. Kurz vor dem Anstieg wurde der Hinterbau plötzlich seltsam schwammig. Nee, bitte kein Plattfuss!!
„Scheiße platt!!!“
Oh man, ausgerechnet vor dem Höllenanstieg! Also los zu Fuß hoch. Es war so glatt, dass ich kaum halt fand. Ich lief teilweise rückwärts um überhaupt vorwärts zu kommen. Mist, es war noch eine halb Ewigkeit ins Ziel. Ich versuchte zu joggen, hatte aber so ein doofes 15 Kilo schweres Bike am Arsch. Die ersten Jungs zogen an mir vorbei. Mitleidige Kommentare: „So ein Pech“, ..und das in der letzten Runde“. Irgendwann fragte mich jemand ob ich wechseln möchte? Ich war der Meinung, dass Ziel ist nicht mehr weit und verneinte.
Jedes fahrbare Stück legte ich auf der Felge zurück.
Wo war nur Klaus? Nach meiner Panne müsste er mich doch noch mal überholt haben?
Ich war der Meinung er müsste gestürzt oder ausgeschieden sein. Dieser Gedanke begleitet mich auf dem Rest der Strecke. Nach einer endlos scheinenden Schinderei sah ich endlich vor mir das Ziel. Ich schwang mich noch mal auf mein Fully und eierte auf der Felge den Zielabhang hinunter. Riesig freute ich mich über den Applaus der bereits im Ziel eingetroffen „Kollegen“. Einige von ihnen hatten mich zum Ende hin überholt und gewartet ob ich es schaffe oder nicht. Meine Augen suchten zuerst Klaus und als ich ihn sah war ich heilfroh ihn Gesund zu sehen. Von meinem Mädel bekam ich zuerst einen Anschiss, weil ich „wieder mal“ gestürzt war. Dann machten sich die Sanitäter über mich her. Wir hatten nicht mal Zeit ein gemeinsames Zielfoto zu schießen. Traurig aber wahr, es gibt kein Bild von uns!
Da Tom an der Strecke filmte und Klaus eine Helmkamera hatte, hoffe ich auf ein tolles Actionvideo vom Extrem-Biken.
Meine Verletzung war nur halb so schlimm. Nach der Reinigung sah es schon harmloser aus.

Klaus kam auf einen sehr guten 7. Rang und blieb nur 6 Sekunden hinter dem 6. Platz. Ich belegte noch Platz 21 und rechnete mir ohne Sturz den 15. Platz aus. Die Siegerehrung fand noch im Schacht statt. Für mich war es der bisher spektakulärste Bikeevent. Sogar noch schöner wie das 24h Rennen in München. Wenn man die beiden Veranstaltungen überhaupt vergleichen kann.
Ich komme wieder......
Das Untertageteam auf der Wartburg
Pressebericht der Fränkischen Nachrichten vom 12.11.04
Leider ist die Überschrift nicht sehr gelungen.....:-(
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1000 Meter durch die Salzhölle |
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Wertheim/Sondershausen. "1000 Meter unter der Erde durch die Salzhölle" - so beschreiben die beiden Brüder Michael Roth aus Wertheim und Klaus Roth, der mittlerweile in Düsseldorf lebt, ihre Teilnahme am 15. Extrem-Mountainbike-Rennen. Dieses wurde kürzlich in Sondershausen in Nord-Thüringen ausgetragen. 50 weitere Extrembiker nahmen an diesem außergewöhnlichen Spektakel in einem Kalibergwerk teil. Los ging es für alle Beteiligten nach einer kurzen Einweisung und Helmausgabe für die Betreuer. In weniger als vier Minuten raste der enge Lastenkorb im Schacht mit jeweils fünf Bikern und ihren Rennmaschinen in eine Tiefe von 800 Metern, wie es in der Pressemitteilung der Gebrüder Roth heißt. Temperaturen um 25 Grad, eine sehr geringe Luftfeuchtigkeit sowie völlige Dunkelheit, sehr unebener und teilweise eisglatte Piste ließen bei einigen Teilnehmern die ersten Zweifel aufkommen. Im Kalibergwerk waren vor wenigen Jahren noch 3000 Bergleute beschäftigt, von denen heute noch 135 das Bergwerk bewirtschaften. 300 mit Diesel betriebene Fahrzeuge verrichteten ihre Arbeit bis zu einer Tiefe von 1750 Metern unter der Erde. Von entsprechender Qualität war die Atemluft, die nach Dieselabgasen und Salz roch und das Atmen erschwerte. In Abständen von zehn Sekunden wurden die Fahrer auf die schwierige Strecke geschickt. Michael Roth startete mit der Startnummer 32, sein Bruder Klaus ging als 50. ins Rennen. Ausgerüstet mit Doppelscheinwerfern am Lenkrad sowie einer Helmbeleuchtung stürzten sich die Biker in einen dunklen, zirka 1000 Meter tiefen Tunnel mit einem Gefälle von 20 Prozent. Auf ihrer Fahrt erreichten die Sportler Geschwindigkeiten von über 60 Stundenkilometern. Kurz vor dem Ende der ersten Runde machte Michael Roth Bekanntschaft mit dem teilweise eisglatten Salzboden. Er stürzte, verlor die Trinkflasche und das Rücklicht, konnte aber nach wenigen Minuten mit völlig verbogenen Scheinwerfern weiterfahren. Während Klaus Roth trotz einiger kritischer Situationen im Sattel blieb, stürzte sein Bruder beim Versuch, verlorenen Boden wieder gut zu machen, abermals. Diesmal war es eine sehr schmerzvolle Erfahrung, da sich die bereits blutende Wunde mit Kalisalz füllte. Als die vierte und letzte Runde auf dem insgesamt gut 20 Kilometer langen Kurs mit zirka 650 Höhenmetern eingeläutet wurde, waren bereits zahlreiche Fahrer nach Stürzen oder mit gesundheitlichen Problemen ausgeschieden. Auch die Pechsträhne von Michael Roth war noch nicht beendet. Ihn erwischte es mit einem schleichenden Plattfuß vor dem 20-prozentigen und 1,2 Kilometer langen Aufstieg. Als es ihm den Mantel von der Felge zog, blieb ihm nur noch übrig zu schieben, denn aufgeben kam für ihn nicht in Frage. Er quälte er sich über drei Kilometer bis zum Ziel, wo sein Bruder Klaus und die vier mitgereisten Helfer bereits auf ihn warteten. Klaus Roth beendete das spektakuläre Rennen mit einem sehr guten siebten Gesamtrang, sein Bruder Michael Roth landete noch auf einem 21. Platz. |