2. RockShox 24 Stunden Rennen in München
270 Teams mit über 1000 Biker legten 135.000 Kilometer im Olympiapark zurück

„Der Schmerz geht, der Stolz bleibt!“ sagten sich die Starter des 4er Teams „Backdrifter“ aus Wertheim, die in der Besetzung Klaus Roth (Teamleader), Thomas Roth, Michael Roth und Andreas Dreher zum 2. 24 Stunden Rennen in München antraten. Mit 154 Teams waren die 4er Gruppen am stärksten besetzt. Am Start waren außerdem noch Einzelstarter, 2er-und 8er Teams.
Nach Auskünften des Teamleaders waren die Voraussetzungen für ein problemloses Rennen alles andere als gut. Denn nach einer schwierigen Anreise und nur 4 Stunden Schlaf wurde man beim Abfahren der Strecke von einem sehr anspruchsvollen, 5,3 Kilometer langen Rundkurs überrascht, der es in sich hatte und keinen Zeit für Erholung während des Rennens lies.
Die Zeitnahme und Wechselzone befanden sich in der Olympiahalle und musste jede Runde durchfahren werden. Nach einer rasanten Abfahrt, zuerst auf Asphalt, dann auf Kopfsteinpflaster, welches sich später als Folter für die Hinerteile der Teilnehmer herausstellen sollte, ging es weiter auf einem Grasweg Serpentinen hinauf zum Olympiaschwimmbad. Nun folgte der gefährlichste Abschnitt der kompletten Strecke. Auf 5 Wellen rasten die Teilnehmer einen steilen Berg hinab. Hier gab es Unfälle fast im Minutentakt die leider nicht alle gut ausgingen. Teilweise waren bis zu 3 Krankenwagen gleichzeitig an der Abfahrt im Einsatz um gestürzte Biker zu bergen und zu versorgen.
Um den See ging die Strecke weiter bis zum Olympiaberg wo eine steile Kopfsteinpflasterauffahrt die Teams ins schwitzen brachte. Von oben hatte man einen tollen Panorama-Blick über München und das Olympiagelände, wofür die Biker allerdings kaum Zeit hatten. Eine enge Abfahrt über eine Treppe brachte die Teams wieder auf die Höhe des Sees. Anschließend schlängelte sich die Strecke auf einem Singletrial durch den Park um kurz darauf auf einer BMX-Strecke zu enden. Eine Steilauffahrt verlangte kurz vor der Wechselzone nochmals alles von den Teilnehmern ab. Die Zuschauer peitschten und schrieen die Biker regelrecht den Berg hinauf um sie dann mit tosendem Applaus zu beschenken.
Punkt 13.00 Uhr stand das Team „Backdrifter“ mit seinem Startfahrer Andreas Dreher am Start ihres ersten 24h Rennens. Bis auf den 2. Starter der bei einer evtl. Panne oder einem Sturz in der Wechselzone bereitstehen musste, waren alle Teammitglieder und Betreuer am Start dabei. Schon nach der ersten Runde war klar, dass der einzelne Fahrer keine 2 Stunden, wie eigentlich geplant, am Stück fahren konnte. Nach maximal 60 bis 90 Minuten im roten Bereicht und einem Puls zwischen 160 und 180 war Schluss. Trotz der Dauer von 24 Stunden war es Sprintrennen und es zählte jede Sekunde. In der Wechselzone konnte man schnell feststellen, dass es keine Zeit zu verschenken gab. Die Teilnehmer standen eng aneinander und warteten auf ihren Teampartner, der sie mit einer deutlichen Berührung ins Rennen schicken musste. Zahlreiche Stürze und Überschläge gab es in den ersten nervösen Rennstunden.
Die Wertheimer blieben bis zu Stunde 5 von allem Unheil verschont. Doch dann erwischte es auch das Team „Backdrifter“. Der Startfahrer überschlug sich bei der gefährlichen Abfahrt am Schwimmbad und zerstörte sich das vordere Laufrad. Mit der Hand traf er noch einen Begrenzungspfahl was sich später noch als schwere Verletzung herausstellen sollte.
Er schaffte es noch in die Wechselzone und so konnte das Rennen erst mal weiter gehen.
Die Wertheimer-Biker mussten sich mit dem Gedanken anfreunden, dass Rennen zu dritt zu Ende zu fahren, was für die Stimmung im Team nicht besonders gut war. Zuerst versuchten die 3 Roth Brüder die 4 Runden auf 5 zu erhöhen um den Teamkollegen eine längere Pause zu ermöglichen. Essen, trinken, duschen, erholen, schlafen mit einem Puls der selten unter 100 Schläge in der Minute ging, war fast unmöglich.
Die extra aus Nassig angereiste Teambetreuerin Ellen Kunkel versuchte mit Massagen und positiven Worten das Team immer wieder aufzubauen, was ihr auch sehr gut gelang. Der gestürzte Fahrer versuchte mit einem dicken Verband am Handgelenk weiter seine Runden zu drehen. Er schaffte seine 4 Runden und es sah für die Bikefraktion aus Wertheim wieder etwas besser aus.
Die Nacht brach über München herein, ab 21 Uhr mussten die Lichter montiert werden um nicht aus dem Rennen genommen zu werden.
Klaus Roth war auf der Strecke und hatte einen super Lauf. Nur mit Mühe konnte er nach 6 Runden darauf aufmerksam gemacht werden in die Wechselzone zu kommen da er noch ohne Licht unterwegs war. Vor der Nacht hatten alle Angst, doch es kam anders als gedacht.
Die Rundenzeiten blieben fast gleich. Mehrmals musste mit mehr als 50 Km/h in ein „schwarzes Loch“ gefahren werden, ohne zu wissen ob das Gras mittlerweile nass geworden ist oder ein evtl. gestürzter Biker unbeleuchtet auf der Strecke lag. Für alle war A….backen zusammenkneifen und trotz vieler Adrenalinschübe einen klaren Kopf behalten angesagt.
Zahlreiche Zuschauer verharrten die ganze Nacht an der Strecke. So wurde z.B. der Olympiaberg zum „Alp D`Huez“. Fackeln wurde am Rande der Strecke aufgestellt, ca. 20 Zuschauer läuteten mit großen Kuhglocken bis in die Morgendämmerung. Es wurden einige Fässer Bier am Rande der Strecke geleert, gegrillt, gefeiert…..ein Wahnsinn!!!!
Immer wieder wurde den Bikern Steaks und Bier angeboten, kleine Kinder reichten den Fahrern Wasser und jubelten ihren „Helden“ zu. Ein Erlebnis welches den Teilnehmern ewig in Erinnerung bleiben wird.
Die „Backdrifters“ überstanden die Nacht ohne Sturz und sie konnten langsam den Endspurt einläuten. Die Knochen schmerzten, die Augen brannten, die Mägen randalierten. E. Kunkel hatte noch mal alle Hände voll zu tun um die Jungs mit Massagen bei Laune zu halten. Die letzten 2 Stunden wollten es die Wertheimer noch mal wissen und fuhren 30 Min. Sprints um die Teams die sich mit ihnen auf der gleichen Runde befanden noch einzuholen.
Das Ende war dann etwas konfus, denn der Veranstalter beendete das Rennen nicht nach 24 Stunden sondern ließ einige Teams noch eine Runde weiter fahren. So kam das Team „Backdrifter“ aus Wertheim bei seinem ersten 24 Stunden Rennen auf einen tollen 73. Platz von 154 gestarteten Teams. Insgesamt wurden von den Wertheimer-Bikern 98 Runden also knapp 520 Kilometer zurückgelegt. Wie sich später herausstellte fuhr der Startfahrer mit gebrochenem Mittelhandknochen das Rennen zu Ende. „Der Schmerz geht, der Stolz bleibt!“

Im Hintergrund mit Siegerfaust unser Schlussfahrer Klaus!