Praevention übergewichtiger Kinder
Jedes sechste deutsche Kind wiegt zuviel. Etwas acht Prozent der 7-14 Jährigen sind sogar fettleibig!
Die Gesundheitsrisiken sind verheerend. An erster Stelle stehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes. das größte Übel jedoch ist, wenn Eltern wegsehen! Denn gerade "XXL" Kinder brauchen Unterstützung.
Deshalb haben wir uns entschlossen an der "Prävention für übergewichtige Kinder" des Landes BW teilzunehmen. Die Bewerbung wurde in das Bewertungsverfahren aufgenommen.
Alle Projekte werden in eine Internet-Datenbank aufgenommen und unter folgender Adresse veröffentlicht:
www.... .de (die Datenbank wird im Juni 2005 geöffnet)
weiter Infos finden Sie hier:
http://www.gesundheitsforum-bw.de/servlet/PB/menu/1121724/index.html
Bremer
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern mehr Gesundheitsförderung in
Kindergarten und Schule
Jedes fünfte Kind ist zu dick. Jeder dritte Jugendliche ist übergewichtig. Immer
mehr Mädchen und neuerdings auch Jungen leiden an Essstörungen. Gleichzeitig
nehmen die körperlichen Aktivitäten der jungen Menschen dramatisch ab. Die
Folge: Es wächst eine Generation mit gravierenden Gesundheitsproblemen heran -
eine tickende Krankheitsbombe der Zukunft. Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler vom Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS)
und der Universität Bremen beschäftigen sich mit dem Thema "Kinder und
Ernährung". Und sie schlagen - gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz
Deutschland - Alarm, vornehm zurückhaltend nach Art von Wissenschaftlern. Die
gegenwärtige Situation erfordere viel mehr präventive Aktivitäten. Kinder müssen
ein besseres Essverhalten mit auf den Lebensweg bekommen und gesunde Ernährung
als etwas Selbstverständliches erleben. Dazu bedarf es der systematischen
Aufklärung im Elternhaus, im Kindergarten, in der Schule, im Verein, kurz
überall. Gefragt ist die übergreifende Zusammenarbeit von Ärzten,
Wissenschaftlern, Pädagogen, Vertretern von Medien und Politik bis hin zur
Nahrungsmittelindustrie. Möhre statt Big Mac, Apfel statt Schokoriegel,
Vollkornbrot statt Pizza darf nicht nur Wunsch bleiben, sondern muss immer mehr
zu Wirklichkeit werden, fordern die Bremer Forscherinnen und Forscher um
Professorin Iris Pigeot - oder die Krankheitsraten werden sprunghaft ansteigen
und die Gesundheitskosten der Gesellschaft weiter davon eilen.
"Kinder und Ernährung" Thema im Bundesgesundheitsblatt
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Ernährung und Lebensstil
entscheidenden Einfluss auf Lebenserwartung, Lebensqualität und allgemeines
Wohlbefinden haben. Diese nicht ganz überraschende Aussage wird im
"Bundesgesundheitsblatt. Gesundheitsforschung. Gesundheitsschutz", Heft 3 vom
März 2004 mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen nachdrücklich bestätigt.
Die Ausgabe "Kinder und Ernährung" des Bundesgesundheitsblatts, das das Robert
Koch-Institut herausgibt, ist von den BIPS-Forschern Professorin Iris Pigeot und
Dr. Hermann Pohlabeln sowie den Ernährungsmedzinischen Beraterinnen Helga Strube
und Heidegret Bosche konzipiert und redaktionell betreut worden.
In Beiträgen wird über Strategien zur Prävention von Übergewicht und mögliche
Veränderungen des Essgewohnheiten diskutiert. In einem weiteren Artikel weist
Professorin Petra Kolip, BIPS und Fachbereich Human- und
Gesundheitswissenschaften der Uni Bremen, auf die Bedeutung von Geschlechts- und
Schichtzugehörigkeit für das Ernährungsverhalten hin und stellt Konzepte vor, um
benachteiligte Bevölkerungsgruppen mit Präventionsprogrammen zu erreichen. In
anderen Aufsätzen geht es um die Aufgabe der Schule, Ernährungsbildung zu
vermitteln, sowie um das Ausmaß, die Ursachen, den Krankheitsverlauf und um
Präventionsprogramme gegen die wichtigsten Essstörungen im Kindes- und
Jugendalter: Magersucht, Bulimie und Adipositas (Fettleibigkeit).
Adipositas - Magersucht - Ess-Brechsucht: mehr Prävention erforderlich
Über Adipositas haben Iris Pigeot und ihr Team einen ausführlichen Beitrag
verfasst. Bereits seit 1997 ist Adipositas von der Weltgesundheitsorganisation
zur Epidemie erklärt worden. Und diese Epidemie hat schon lange Deutschland
erreicht. Fettleibigkeit wird im Kindesalter mit Übergewicht vorbereitet und hat
gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit und das Selbstwertgefühl. In einer
Gesellschaft, in der Schönheit Schlanksein bedeutet, ist jeder Dicke ein
Verlierer. Dieses Stigma ändert zwar bei vielen Kindern und Jugendlichen nichts
an schlechten Essgewohnheiten, aber das Selbstwertgefühl schrumpft mit jedem
Kilo mehr und je mehr es schrumpft, desto mehr wird in sich reingestopft - ein
Teufelskreis von schlechter Ernährung, Übergewicht und
Minderwertigkeitsgefühlen. Das Diktat des schlanken Schönheitswahns fördert seit
Anfang der 80-er Jahre auch andere Essstörungen - vor allem bei jungen Frauen -
wie Magersucht (Anorexia nervosa) und Ess-Brechsucht (Bulimia nervosa).
In einem gesellschaftlichen Umfeld, das von den Idealen schön, schlank, jung
diktiert wird, gibt es keine Ideallösung, um gesundheitsbewusste Ernährung in
die Köpfe und gesunde Lebensmittel auf den Tisch zu bekommen. Die
Ernährungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus dem BIPS setzen auf
Information und Prävention. Dabei kommt dem Kindergarten, der "ersten
öffentlichen Erziehungsinstitution im Leben eines Kindes" eine besondere Aufgabe
zu.
Professorin Iris Pigeot beschreibt Präventionsprogramme und Maßnahmen zur
Gesundheitsförderung im Kindesalter wie "5 am Tag für Kids" (fünf Portionen Obst
und Gemüse am Tag) oder "Kaspers Tipp - iss dich fit". Auch wenn der
eingeschlagene Weg der Aufklärung durchaus richtig sei, fordert Pigeot
nachdrücklich, den Erfolg von Programmen zur Prävention von Adipositas und
Übergewicht im Kindesalter systematisch wissenschaftlich zu evaluieren, was
bislang eher die Ausnahme ist. Kriterien für den Erfolg solcher Programme sind
nicht nur eine Senkung der Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas sondern
auch ein verbessertes Ernährungs- und Bewegungsverhalten, die Steigerung der
Freude an sportlichen Aktivitäten und eine gesündere Veränderung des
Freizeitverhaltens.